Drei historische Röhrchen des Badezusatzes „Cumarinol Bad“ mit blauer Aufschrift auf braunem Etikett, Vorderseite, Fund aus dem Stadtbad Lichtenberg
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Historisches

Cumarinol Bad – vergessenes Schlafbad aus dem Stadtbad Lichtenberg

Von Michael Metze

Bei unseren Arbeiten zur Geschichte des Stadtbades Lichtenberg tauchen immer wieder Gegenstände auf, die auf den ersten Blick unscheinbar wirken. Eine alte Verpackung, ein Stück Seife, ein Schild, eine kleine Abpackung oder ein Röhrchen aus dem früheren Badebetrieb. Doch gerade diese Dinge erzählen häufig eine Geschichte, die weit über den einzelnen Fund hinausführt.

Ein solcher Fund ist das Präparat „Cumarinol Bad“. Es handelt sich um einen Badezusatz, der von der Firma Carl Hoernecke, Fabrik chemisch-pharmazeutischer Präparate, Magdeburg-Südwest, hergestellt wurde. Das Präparat selbst ist heute nicht mehr erhältlich. Es ist aus dem öffentlichen Gedächtnis weitgehend verschwunden. Für die Geschichte des Stadtbades Lichtenberg ist dieser Fund jedoch ausgesprochen interessant, weil er einen Einblick in eine ältere Badekultur gibt, in der öffentliche Bäder nicht nur Orte der Körperreinigung, sondern auch Orte der Gesundheitsvorsorge, der Erholung und der medizinisch geprägten Badeanwendung waren.

Geöffnetes Röhrchen „Cumarinol Bad“, im Inneren das dunkle, grobkörnige Badesalz, daneben der schwarze Schraubverschluss

Das geöffnete Röhrchen „Cumarinol Bad“ mit dem körnigen, dunklen Badesalz — ein Fund aus dem Stadtbad Lichtenberg.

Ein kleines Röhrchen mit großer Aussagekraft

Auf dem erhaltenen Röhrchen finden sich mehrere Angaben, die für die historische Einordnung besonders wertvoll sind. Genannt werden eine Waren-Nr. 43299000, ein Inhalt von 50 g sowie ein Verkaufspreis von 0,85 DM. Allein diese Angaben zeigen, dass es sich um ein industriell abgepacktes, klar dosiertes und preislich festgelegtes Präparat handelte.

Noch aufschlussreicher ist jedoch der Anwendungshinweis. Danach sollte das Präparat zunächst in einem Gefäß mit warmem Wasser aufgelöst und anschließend dem Bad während des Einlaufens zugesetzt werden. Die Badetemperatur sollte 37 °C nicht überschreiten. Die Dauer des Bades wurde mit 15 bis 20 Minuten angegeben. Außerdem sollte der Badende möglichst ruhig im Badewasser verharren.

Besonders bemerkenswert ist die weitere Anweisung: „Verabreichung als Schlafbad möglichst kurz vor dem Schlafengehen. Sonst nach ärztlicher Anweisung.“

Damit ist klar: „Cumarinol Bad“ war kein gewöhnlicher Badezusatz im heutigen Sinne. Es ging nicht um ein Schaumbad, nicht um ein reines Duftbad und auch nicht nur um ein kosmetisches Pflegeprodukt. Das Präparat wurde ausdrücklich als Schlafbad verwendet. Es gehörte damit in den Bereich beruhigender, entspannender und gesundheitsbezogener Badeanwendungen.

Das Schlafbad als historische Badeanwendung

Der Begriff „Schlafbad“ wirkt heute ungewohnt. Er verweist auf eine Zeit, in der das warme Bad viel stärker als gesundheitliches Mittel verstanden wurde. Ein Bad konnte reinigen, entspannen, beruhigen, die Durchblutung beeinflussen, Beschwerden lindern oder den Körper auf den Schlaf vorbereiten.

Die auf dem Röhrchen genannte Temperatur von höchstens 37 °C ist dabei besonders wichtig. Ein sehr heißes Bad hätte den Kreislauf stärker belastet und eher als Reizbad gewirkt. Ein Bad bei etwa Körpertemperatur dagegen war milder. Es sollte nicht aufregen, sondern beruhigen. Auch die vorgeschriebene Badedauer von 15 bis 20 Minuten und das „möglichst ruhige Verharren“ im Badewasser passen zu dieser Vorstellung.

Der Badegast sollte nicht planschen, sich waschen oder aktiv schwimmen. Er sollte ruhig im Wasser liegen und die Anwendung wirken lassen. Das Bad wurde damit fast zu einer kleinen Kurmaßnahme. Die Formulierung „Verabreichung“ verstärkt diesen Eindruck. Sie klingt nicht nach beliebigem Badevergnügen, sondern nach einer geordneten, medizinisch oder halbmedizinisch verstandenen Anwendung.

Auch der Zusatz „sonst nach ärztlicher Anweisung“ ist aussagekräftig. Er zeigt, dass das Präparat zumindest in einem Umfeld vertrieben wurde, in dem ärztliche Empfehlungen und gesundheitliche Anwendungen eine Rolle spielten. „Cumarinol Bad“ bewegte sich damit im Grenzbereich zwischen Badezusatz, Hausmittel, Kurpräparat und chemisch-pharmazeutischem Gesundheitsprodukt.

Stadtbäder als Orte der Hygiene und Gesundheit

Der Fund passt sehr gut zur Geschichte des Stadtbades Lichtenberg. Ein Stadtbad war nicht nur ein Schwimmbad. Es war auch nicht nur ein Ort, an dem man sich reinigte. Besonders in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatten kommunale Bäder eine wichtige hygienische, soziale und gesundheitliche Funktion.

Viele Wohnungen verfügten noch nicht über eigene Badezimmer. Für zahlreiche Menschen war der Besuch eines Stadt- oder Volksbades daher ein fester Bestandteil der Körperpflege. Zugleich waren öffentliche Bäder eng mit Vorstellungen von Volksgesundheit, Hygieneerziehung und körperlicher Ertüchtigung verbunden.

Neben den Schwimmhallen, Brausebädern und Wannenbädern gab es in solchen Einrichtungen auch eine ganze Welt von Verbrauchs- und Zusatzprodukten: Seifen, Handtücher, Badesalze, Fußbäder, Einreibungen, Badeöle, Massagepräparate und andere Mittel. Manche dienten der Reinigung, andere der Pflege, wieder andere wurden mit gesundheitlichen Wirkungen verbunden.

„Cumarinol Bad“ gehört genau in diesen Zusammenhang. Es zeigt, dass der Badebetrieb nicht nur aus Wasser, Wärme und Technik bestand. Auch Präparate aus der chemisch-pharmazeutischen Industrie gehörten zur praktischen Badekultur.

Rückseite eines Röhrchens „Cumarinol Bad“ mit lesbarem Anwendungshinweis und der Herstellerangabe Carl Hoernecke, Fabrik chemisch-pharmazeutischer Präparate, Magdeburg-Südwest, Inhalt 50 g

Rückseite des Röhrchens mit Anwendungshinweis: Auflösen in warmem Wasser, Badetemperatur höchstens 37 °C, „Verabreichung als Schlafbad“. Darunter die Herstellerangabe „Carl Hoernecke, Fabrik chem.-pharm. Präparate, Magdeburg-Südwest“, Inhalt 50 g.

Die Firma Carl Hoernecke aus Magdeburg

Hergestellt wurde „Cumarinol Bad“ von der Firma Carl Hoernecke. Das Unternehmen wurde im Jahr 1896 in Magdeburg gegründet. Der Firmengründer war Carl Wilhelm Hoernecke. Unter seinem Sohn Carl Valentin Christoph Hoernecke entwickelte sich der Betrieb zu einem bedeutenden chemisch-pharmazeutischen Herstellungsunternehmen.

Die Bezeichnung „Fabrik chemisch-pharmazeutischer Präparate“ ist dabei wichtig. Sie zeigt, dass es sich nicht nur um einen Drogerieartikel-Hersteller oder einen einfachen Seifenproduzenten handelte. Hoernecke stellte Produkte her, die im Bereich von Gesundheitspflege, Arzneimittelwesen, Badeanwendungen und chemischer Spezialpräparate angesiedelt waren.

Magdeburg war für eine solche Firma ein naheliegender Standort. Die Stadt war ein bedeutender Industrie- und Handelsplatz. Chemische und pharmazeutische Produkte, Drogeriewaren und technische Erzeugnisse fanden von dort aus Absatz in viele Regionen.

Die Herstellerangabe Magdeburg-Südwest auf dem Röhrchen ist daher mehr als nur eine Adresse. Sie verortet das Präparat in einer konkreten Industriegeschichte. Aus einem kleinen Fund im Stadtbad Lichtenberg führt die Spur direkt in die chemisch-pharmazeutische Produktion Magdeburgs.

Drei erhaltene Röhrchen „Cumarinol Bad“ mit der Vorderseite des Etiketts, Badezusatz der Firma Carl Hoernecke aus Magdeburg

Die erhaltenen Röhrchen „Cumarinol Bad“ mit der Vorderseite des Etiketts — hergestellt von der Firma Carl Hoernecke, Magdeburg-Südwest.

Hoernecke und die Badepräparate

„Cumarinol Bad“ war nach den bisher bekannten Nachweisen kein isoliertes Einzelprodukt. Für die Firma Hoernecke sind mehrere Bade- und Gesundheitspräparate überliefert. Dazu gehörten unter anderem Cumarinol-Badesalz, Rheubalmin-Badesalz, Fußflott, Nitral-Fußbad, Hoepixin, Massagepräparate und weitere Erzeugnisse.

Diese Produktgruppe zeigt sehr deutlich, in welchem Markt Hoernecke tätig war. Es ging um Präparate für Bad, Körperpflege, Fußpflege, Wärmebehandlung, Einreibung und gesundheitliche Anwendungen. Namen wie „Rheubalmin“, „Fußflott“ oder „Cumarinol“ klingen heute etwas altertümlich, waren aber Teil einer verbreiteten Produktkultur.

Badezusätze waren damals nicht nur angenehme Duftprodukte. Viele wurden ausdrücklich mit gesundheitlichem Nutzen verbunden. Sie sollten beruhigen, kräftigen, erwärmen, entspannen oder bestimmte Beschwerden lindern. In öffentlichen Bädern, Kureinrichtungen, Drogerien und Apotheken konnten solche Mittel eine wichtige Rolle spielen.

Der Name „Cumarinol“ legt einen Zusammenhang mit Cumarin beziehungsweise cumarinartig duftenden Stoffen nahe. Cumarin ist als aromatischer Duftstoff bekannt und erinnert an Heu, Waldmeister oder getrocknete Gräser. Für eine abschließende Aussage zur Zusammensetzung des Präparats müsste jedoch ein vollständiger Beipackzettel, eine Rezeptur oder eine chemische Analyse vorliegen. Aus dem Namen allein sollte man die Zusammensetzung nicht sicher ableiten.

Sicher ist jedoch: Der erhaltene Anwendungshinweis belegt die Verwendung als Schlafbad. Damit lässt sich das Präparat deutlich genauer einordnen als ein bloßer Badezusatz. „Cumarinol Bad“ war ein gesundheitsbezogenes Badepräparat mit beruhigendem Anwendungsanspruch.

Die Dosierung: 50 Gramm für ein Bad

Auch die Angabe des Inhalts ist bemerkenswert. Das Röhrchen enthielt 50 g. Das spricht für eine portionierte Anwendung. Eine solche Abpackung war praktisch, weil sie eine klare Dosierung ermöglichte. Der Benutzer musste nicht selbst abwiegen, sondern konnte den Inhalt nach Anleitung auflösen und dem Badewasser zusetzen.

Für ein Stadtbad war eine solche Portionierung besonders sinnvoll. Im Badebetrieb mussten Anwendungen einfach, schnell und nachvollziehbar durchgeführt werden können. Ein Röhrchen, ein Bad, eine feste Anwendungsvorschrift – das war für den praktischen Betrieb gut handhabbar.

Der Preis von 0,85 DM zeigt außerdem, dass es sich um ein erschwingliches, aber nicht völlig belangloses Produkt handelte. Es war kein Luxusartikel im engeren Sinne, aber auch kein bloßer Massenverbrauchsartikel wie ein einfaches Stück Seife. Es war ein spezielles Badepräparat mit klarer Zweckbestimmung.

Cumarinol Bad im Stadtbad Lichtenberg

Dass ein solches Präparat im Stadtbad Lichtenberg gefunden wurde, ist deshalb besonders spannend. Es zeigt, dass im Haus nicht nur der normale Bade- und Schwimmbetrieb stattfand. Der Fund verweist auf einen erweiterten Badebegriff.

Das Stadtbad war ein Ort, an dem Wasser, Wärme, Hygiene, Erholung und Gesundheit zusammenkamen. Es wurde geschwommen, geduscht, gewaschen und gebadet. Daneben konnten aber auch besondere Badeanwendungen eine Rolle spielen. Ein Schlafbad wie „Cumarinol Bad“ passt in eine Badekultur, in der das warme Wasser als Mittel der körperlichen und seelischen Beruhigung verstanden wurde.

Der Fund macht diesen Teil der Geschichte greifbar. Baupläne, Fassaden, Becken und technische Anlagen erzählen die große Geschichte des Hauses. Eine kleine Abpackung wie „Cumarinol Bad“ erzählt dagegen vom Alltag. Sie zeigt, welche Produkte tatsächlich im Umlauf waren, welche Firmen lieferten und welche Vorstellungen vom Baden im täglichen Betrieb eine Rolle spielten.

Gerade solche Alltagsfunde sind für die Geschichte des Stadtbades Lichtenberg von großer Bedeutung. Sie ergänzen die Bau- und Architekturgeschichte um die Ebene der Nutzung. Sie zeigen, wie das Haus funktionierte und welche Erfahrungen die Badegäste dort machen konnten.

Von Magdeburg nach Oberstenfeld

Die Firma Carl Hoernecke ist nicht untergegangen. Sie besteht bis heute fort, allerdings mit deutlich verändertem Schwerpunkt. Aus der ursprünglichen Magdeburger Fabrik chemisch-pharmazeutischer Präparate wurde ein Familienunternehmen, das heute als Carl Hoernecke Chemische Fabrik GmbH & Co. KG in Oberstenfeld bei Stuttgart ansässig ist.

Der heutige Schwerpunkt liegt nicht mehr auf Badezusätzen wie „Cumarinol Bad“. Seit den 1960er Jahren verlagerte sich die Ausrichtung des Unternehmens auf Sicherheitsprodukte, Aerosole und chemisch-technische Erzeugnisse. Damit hat die Firma einen typischen Wandel durchlaufen, wie ihn viele ältere chemisch-pharmazeutische Betriebe im 20. Jahrhundert erlebten.

Traditionelle Präparate verschwanden, wurden verändert oder mussten sich neuen gesetzlichen Anforderungen, neuen Märkten und anderen Verbraucherinteressen stellen. Besonders bei Gesundheits- und Badepräparaten änderten sich im Laufe der Zeit die Zulassungsbedingungen, die Werbeaussagen und die Erwartungen der Käufer.

„Cumarinol Bad“ gehört offenbar zu jenen Produkten, die diesen Wandel nicht überdauert haben. Es wird heute nicht mehr angeboten. Umso wertvoller ist der erhaltene Fund aus dem Stadtbad.

Gibt es einen heutigen Nachfolger?

Ein direkter Nachfolger von „Cumarinol Bad“ lässt sich derzeit nicht sicher belegen. Es wäre daher nicht korrekt zu behaupten, ein heutiges Produkt sei unmittelbar aus Cumarinol hervorgegangen. Dafür fehlen bisher eindeutige Unterlagen zur Zusammensetzung und zur Produktentwicklung.

Es gibt jedoch ein verwandtes Produkt aus der Hoernecke-Tradition, das heute noch greifbar ist: Rheubalmin Bad. Bereits in älteren Nachweisen erscheinen Cumarinol-Badesalz und Rheubalmin-Badesalz nebeneinander. Beide gehörten also offenbar zu einer Produktfamilie von Bade- und Gesundheitspräparaten der Firma Hoernecke.

Rheubalmin Bad wird heute als Badepräparat zur Wärmebehandlung angeboten. Es ist damit nicht der sichere Nachfolger von Cumarinol Bad, aber ein noch vorhandener Verwandter aus derselben historischen Produktwelt. Während Cumarinol als Schlafbad einzuordnen ist, steht Rheubalmin stärker im Zusammenhang mit Wärmebehandlung und körperlichen Beschwerden.

Für die historische Darstellung ist diese Unterscheidung wichtig: Cumarinol Bad ist verschwunden. Rheubalmin Bad ist kein belegter direkter Nachfolger, aber ein erhaltenes Beispiel aus der gleichen Hoernecke-Tradition der Badepräparate.

Was dieser Fund über die alte Badekultur erzählt

Der Fund von „Cumarinol Bad“ eröffnet einen Blick auf eine fast vergessene Seite der Badekultur. Heute denken viele Menschen bei Schwimmbädern vor allem an Sport, Freizeit, Schwimmunterricht oder Erholung. In der Geschichte der Stadt- und Volksbäder war das Bad jedoch viel stärker mit Hygiene, Gesundheit und sozialer Fürsorge verbunden.

Ein warmes Bad konnte reinigen, beruhigen, Beschwerden lindern oder den Körper auf den Schlaf vorbereiten. Badezusätze verstärkten diesen Anspruch. Sie gaben dem Bad eine bestimmte Richtung: als Rheumabad, Fußbad, Kräuterbad, Schwefelbad, Kinderbad oder eben als Schlafbad.

„Cumarinol Bad“ steht damit für eine Zeit, in der das Baden noch wesentlich stärker als gesundheitliche Handlung verstanden wurde. Das Präparat zeigt auch, wie eng öffentliche Badeanstalten, chemisch-pharmazeutische Hersteller und Alltagsmedizin miteinander verbunden waren.

Das Stadtbad Lichtenberg war Teil dieser Entwicklung. Es war nicht nur ein architektonisch bedeutendes Gebäude und nicht nur eine technische Anlage. Es war ein Ort, an dem sich die Vorstellungen von moderner Stadt, Hygiene, Körperpflege und Gesundheit ganz praktisch im Alltag der Menschen zeigten.

Ein Stück Alltagsgeschichte aus dem Stadtbad

Historische Gebäude werden häufig über ihre Architekten, Baukosten, Eröffnungstermine und politischen Entscheidungen beschrieben. Das ist wichtig. Doch ein Haus wie das Stadtbad Lichtenberg lässt sich nicht allein aus Akten, Plänen und Fassaden verstehen.

Es war ein lebendiger Ort. Menschen kamen hierher, um zu baden, zu schwimmen, sich zu waschen, sich zu erholen oder eine Anwendung zu nehmen. Das Personal musste den Betrieb organisieren, Wasser temperieren, Kabinen reinigen, Handtücher ausgeben, technische Anlagen überwachen und vermutlich auch mit solchen Präparaten umgehen.

Die kleinen Dinge erzählen deshalb manchmal besonders viel. Ein Röhrchen „Cumarinol Bad“ zeigt nicht die große Architekturgeschichte, sondern die Gebrauchsgeschichte des Hauses. Es zeigt, was im Bad vorhanden war, was verwendet wurde und welche Art von Badeanwendungen denkbar oder üblich waren.

Gerade deshalb verdient dieser Fund Aufmerksamkeit. Er ist ein Stück Alltagsgeschichte aus dem Stadtbad Lichtenberg.

Fazit

Der Fund von „Cumarinol Bad“ im Stadtbad Lichtenberg ist ein kleines, aber sehr aussagekräftiges Puzzlestück. Das Präparat wurde von der Firma Carl Hoernecke, Fabrik chemisch-pharmazeutischer Präparate, Magdeburg-Südwest, hergestellt. Die Firma wurde 1896 in Magdeburg gegründet und existiert bis heute weiter, wenn auch mit einem stark veränderten Produktionsschwerpunkt.

Das Röhrchen enthält wichtige Hinweise: 50 g Inhalt, 0,85 DM Verkaufspreis, Waren-Nr. 43299000 und eine genaue Anwendungsvorschrift. Besonders wichtig ist die ausdrückliche Verwendung als Schlafbad. Das Präparat sollte in warmem Wasser aufgelöst, dem einlaufenden Bad zugesetzt und bei höchstens 37 °C für 15 bis 20 Minuten angewendet werden. Der Badende sollte dabei möglichst ruhig im Wasser verharren.

Damit ist „Cumarinol Bad“ nicht als einfacher Badezusatz, sondern als gesundheitsbezogenes Badepräparat einzuordnen. Es steht für eine ältere Badekultur, in der Stadtbäder nicht nur Orte der Reinigung und des Schwimmens waren, sondern auch Orte der Erholung, Beruhigung und Gesundheitsfürsorge.

Ein direkter heutiger Nachfolger von Cumarinol Bad ist bisher nicht sicher nachweisbar. Mit Rheubalmin Bad existiert jedoch ein verwandtes Badepräparat aus der Hoernecke-Tradition. Cumarinol selbst bleibt ein historisches Produkt.

Für das Stadtbad Lichtenberg ist dieser Fund besonders wertvoll. Er zeigt, dass auch die kleinen Dinge zur Geschichte des Hauses gehören. Nicht nur die große Schwimmhalle, die Architektur und die Technik erzählen vom Stadtbad. Auch ein unscheinbares Röhrchen kann eine ganze Welt öffnen: die Welt der Badepräparate, der Volksgesundheit und des gelebten Badealltags.