Vor 15 Jahren wurde aus dem Stadtbad Lichtenberg eine bedeutende Bronzefigur des Bildhauers Karl Trumpf gestohlen: das „Ruhende Mädchen mit Badekappe“, vielen auch schlicht als „Das ruhende Mädchen“ bekannt. Nun hat der rbb den Fall noch einmal aufgegriffen — in der Sendung „Täter – Opfer – Polizei“ vom 7. Juni 2026 wurde die Bronze erneut zur Fahndung gestellt.
Die Figur gehörte über Jahrzehnte zum künstlerischen und historischen Inventar des Stadtbades Lichtenberg. Sie war nicht nur ein dekoratives Kunstwerk, sondern Teil der kulturellen Identität dieses besonderen Hauses. Das Stadtbad Lichtenberg war von Beginn an mehr als ein reiner Zweckbau. Architektur, Kunst, Hygiene, Volksgesundheit und städtische Sozialpolitik verbanden sich hier zu einem Gesamtkonzept, das in den 1920er Jahren den hohen Anspruch des öffentlichen Badewesens sichtbar machte.
Die Bronze als Teil der Identität des Hauses
Die Skulptur „Ruhendes Mädchen“ kam 1929 als Schenkung des damaligen Berliner Oberbürgermeisters Gustav Böß in das Volksbad Lichtenberg, das im Vorjahr eröffnet worden war. Sie stand zuvor in der Vorhalle des städtischen Gesundheitsamtes von Berlin und war bereits 1920 auf der Berliner Sezession öffentlich gezeigt worden. Im Stadtbad Lichtenberg avancierte sie rasch zum charakteristischen Merkmal des Hauses: Wer das Foyer betrat, blickte unweigerlich auf den kleinen Innenhof — und auf diese Figur. Die Bronze misst etwa 1,50 Meter in der Breite, rund 1,00 Meter in der Höhe und 0,60 Meter in der Tiefe und wiegt circa 100 Kilogramm. Eine kunsthistorische Einordnung des Werks und seines Schöpfers findet sich im Portrait zu Karl Trumpf.
Jahrelange Berichterstattung des Fördervereins
Der Förderverein Stadtbad Lichtenberg hat in den vergangenen Jahren bereits in mehreren Blogbeiträgen auf den Verlust dieser Bronzefigur hingewiesen und wiederholt darüber berichtet. Bereits 2014 wurde ein erster öffentlicher Suchaufruf nach dem „Ruhenden Mädchen“ veröffentlicht. Dabei ging es nicht nur um den Diebstahl selbst, sondern auch um die grundsätzliche Frage, wie mit dem historischen und künstlerischen Erbe des Stadtbades Lichtenberg umgegangen wird. Der Verlust des „Ruhenden Mädchens“ steht sinnbildlich für eine Entwicklung, bei der wichtige Bestandteile der Geschichte dieses Hauses verschwinden, beschädigt werden oder in Vergessenheit geraten.
Erneute Öffentlichkeit durch den rbb
Gemeinsam mit dem rbb wurde der Diebstahl nun erneut öffentlich aufgegriffen. In der Sendung „Täter – Opfer – Polizei“ vom 7. Juni 2026 wurde der Fall noch einmal vorgestellt und zur Fahndung gebracht. Ziel ist es, neue Hinweise zum Verbleib der Bronze zu erhalten und das Werk nach Möglichkeit wieder aufzufinden.
Unser besonderer Dank gilt dabei dem Moderator Uwe Madel sowie der Journalistin Katrin Specht. Durch ihr Interesse, ihre Unterstützung und ihre journalistische Arbeit wurde es möglich, diesen lange zurückliegenden Fall noch einmal einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Gerade bei Kulturgut, das vor vielen Jahren verschwunden ist, kann eine erneute öffentliche Aufmerksamkeit entscheidend sein. Manchmal genügt ein Hinweis, eine Erinnerung oder ein wiedererkanntes Foto, um Bewegung in einen Fall zu bringen.

Bedeutung für den Förderverein
Für den Förderverein Stadtbad Lichtenberg ist dieser erneute öffentliche Aufruf von großer Bedeutung. Der Verlust der Figur ist nicht nur ein materieller Schaden. Er ist ein Verlust an Erinnerung, Geschichte und kultureller Substanz. Das „Ruhende Mädchen“ war Teil der künstlerischen Ausstattung eines Hauses, das selbst ein Denkmal der Berliner Bädergeschichte ist. Wer die Frage nach dem Umgang mit dieser Substanz weiterdenken will, findet eine kritische Bestandsaufnahme zwischen Denkmalpflege und Substanzerhalt in einem eigenen Beitrag.
Was Hinweise bewirken können
Auch nach 15 Jahren besteht die Hoffnung, dass die Bronze wieder auftaucht — sei es in Privatbesitz, im Kunsthandel, in einem Depot oder an einem bislang unbekannten Ort. Wer Hinweise zur Figur, zu ihrem Verbleib oder zu früheren Angeboten im Kunst- oder Antiquitätenhandel geben kann, sollte sich an die Polizei Berlin wenden. Maße und Gewicht — 1,50 × 1,00 × 0,60 Meter, etwa 100 Kilogramm — können bei der Identifikation helfen, ebenso historische Fotografien aus der Zeit vor 2011.
Das Stadtbad Lichtenberg hat in seiner Geschichte bereits viel verloren. Umso wichtiger ist es, dass wenigstens dieses Werk von Karl Trumpf nicht endgültig verschwindet.
Den Beitrag zur Sendung findet Ihr in der ARD-Mediathek: „Bronzediebe“ — Täter – Opfer – Polizei, rbb.