Carl Samtleben (1878–1946) anlässlich seines 80. Todestages – ein Badleiter als Schlüssel zur Lichtenberger Planungsgeschichte
Michael Metze03.02.2026. Historisches Kommentare geschlossen
† 6. Februar 1946 – Lebensweg eines Bäderfachmanns zwischen Hamburg, Kiel und Berlin
Carl Samtleben wurde am 21. Januar 1878 geboren und gehört zu jener Generation von Bäderfachleuten, die das öffentliche Badewesen in der Phase der Großstadtentwicklung nicht nur verwalteten, sondern im Kern betrieblich prägten. Sein beruflicher Weg ist eng verbunden mit der Professionalisierung kommunaler Hygiene- und Gesundheitsinfrastruktur – einer Infrastruktur, die im frühen 20. Jahrhundert zu den zentralen Aufgaben moderner Stadtverwaltungen zählte. Samtlebens Name steht exemplarisch für ein Berufsbild, das weit über Aufsicht und Verwaltung hinausging: Ein Stadtbad war ein technisch, organisatorisch und hygienisch anspruchsvoller Großbetrieb, dessen Funktionsfähigkeit im Alltag jeden Tag neu hergestellt werden musste.
Warum lohnt es sich, sich mit Carl Samtleben so intensiv zu beschäftigen? Die Antwort liegt weniger in einer bloßen Personalgeschichte als in einem konkreten bau- und verwaltungshistorischen Zusammenhang. In der Rekonstruktion der Planungsgeschichte des Stadt- bzw. Volksbades Lichtenberg stellte sich über lange Zeit eine Kernfrage: Wer hat dem Bauamt Lichtenberg bei der Planung eines derart komplexen Badbetriebes fachlich geholfen – und auf welcher Grundlage wurden entscheidende Parameter wie Besucherzahlen, Kapazitäten und Ausstattung festgelegt? In der damaligen Lichtenberger Bauverwaltung gab es nach der Überlieferung keine ausgewiesenen Fachleute, die bereits praktische Erfahrung mit der Planung und dem Betrieb großer Badeanstalten hatten. Der entscheidende Durchbruch kam erst mit dem Auffinden eines Schriftstückes, das den direkten Kontakt zwischen dem Lichtenberger Baustadtrat Johannes Uhlig und dem Neuköllner Stadtbadleiter Carl Samtleben belegt. Erst dadurch wurde nachvollziehbar, wie die fachliche Brücke zwischen dem Lichtenberger Bauamt und der Badpraxis tatsächlich aussah – und warum sich die Lichtenberger Planung zum Ende des Ersten Weltkriegs erkennbar an den Erfahrungen eines bereits laufenden Großbades orientierte.